Psychopathen, die es braucht

Kennen Sie das auch: Sie erzählen von Ihrer Ausbildung und die Reaktion Ihres Gegenübers ist dann das Klischee, das Sie schon tausendfach gehört haben (*dem Sie selbstverständlich überhaupt nicht entsprechen*). Als Psychologin hat man es in dieser Hinsicht überhaupt nicht einfach. So hört man häufig (*d.h. in gefühlten 11 von 10 Fällen*) die misstrauische Frage: „Oh, da muss ich wohl aufpassen, was ich sage?!“ Und es braucht auf der Party ein echtes empathisches Einfühlen in die Unkenntnis des Gegenübers und schliesslich jede Menge vertrauensbildende Massnahmen (wie beispielsweise das Überlassen des letzten Käsehäppchens), um nicht den ganzen Abend mit misstrauischen Blicken bedacht zu werden.

Den vollen Umfang der Tatsache des Klischees der Persönlichkeit einer Psychologin wurde mir jedoch erst klar, als eine Nachbarin ihre Bitte um fachlichen Rat mit den Worten „Sie sind doch Psychopathin…“ einleitete…

Eigentlich, so könnte man sagen, besteht immerhin irgendeine Vorstellung darüber, was Psycholog(inn)en beruflich machen, auch wenn es pauschalisiert und der Realität nur sehr im Ansatz nahe kommt (ein Wesensmerkmal von Klischees). Nun hat aber die Ausbildung in Psychologie doch schon eine sehr lange Tradition. Wie viel weniger kann man da ein vertieftes Verständnis einer Tätigkeit erwarten, die sich im Kern mit einem gesellschaftlichen Tabu und der „grösste Angst des Alters“ beschäftigt (wie das die Geschäftsleitung der Schweizerischen Alzheimervereinigung tut). So ist es oft so, dass ich auf die Frage nach meiner beruflichen Tätigkeit als erstes das Heben der Augenbrauen der Fragenden beobachten kann (*nach 7 Jahren Mimikanalyse kann ich dies zum Glück bereits in Millisekunden eindeutig als Ausdruck eines Abwägens zwischen Neugier und der Sorge um das berühmte Fettnäpfchen interpretieren*). Gefolgt wird dieses dann (*ebenfalls in gefühlten 11 von 10 Fällen*) von einem in echt empathischem Tonfall vorgetragenen: „das ist aber ganz toll“, denn „so Menschen wie dich braucht es ja schliesslich auch“.

Und JA – würde ich dann am liebsten laut ausrufen! GENAU! Menschen, denen ältere Menschen in vulnerablen Lebenssituationen NICHT egal sind, Menschen, die sich für gute Lebensbedingungen für die Schwächsten mit der geringsten Lobby in unseren Gesellschaft einsetzen – genau diese benötigt es! Heute mehr denn je! Diese braucht es aber vor allem in der Praxis und im Alltag der Erkrankten und ihrer Angehörigen! Die Schweizerische Alzheimervereinigung und ihre 21 kantonalen Sektionen mit ihren vielen ehrenamtlich Engagierten setzen sich täglich für die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen mit Beratung und Information und vielfältigen Angeboten ein. Ihnen rufe ich zu: Liebe Kolleg(inn)en GENAU, euch braucht es..! Genau EUCH braucht es! Danke!

Apropos… hat vielleicht jemand Lust auf ein letztes Käsehäppchen?!?

 

 

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