Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Man kann vieles unbewusst wissen,
indem man es nur fühlt, aber nicht weiss.
Fjodor M. Dostojewski

Glaube und Spiritualität bedeuten, dass man sich mit den grossen Fragen auseinandersetzt. Was ist der Sinn des Lebens? Wer bin ich? Gibt es einen Gott, eine höhere Macht? Was passiert nach dem Tod? Es sind Fragen, die sich in diesen Tagen, da wir die Auferstehung Christis und die Aussendung des Heiligen Geistes feiern, häufiger stellen als im normalen Alltag.

Muss man denken können, um zu glauben?
Neben einem eher auf Kognition beruhendem Verständnis von Spiritualität gibt es das emotionale Erleben von Glaube und Spirituellem. Und dieses emotionale Erleben ist Menschen mit Demenz sehr wohl möglich! Es ist nicht anzunehmen oder gar ernsthaft einzusehen, dass Bedürfnisse nach Halt und Geborgenheit in einem transzendenten Sinn aus einem Leben verschwinden, nur weil ein Mensch dement wird.

Menschen mit Demenz spirituell zu begleiten, kann Trost und Ruhe vermitteln, sie fühlen sich geborgen und sicher. Beispiele dafür lassen sich im Betreuungsalltag immer wieder finden. Daher besteht auch unter Forschenden Konsens, Spiritualität und Religiosität als wesentliche Komponenten der gesundheitsbezogenen Lebensqualität anzusehen. Je nachdem, wie stark jemand an eine bestimmte Glaubensrichtung gebunden ist, können unterschiedliche Rituale und Symbole hilfreich sein. Eine Kerze anzünden, ein Tischgebet sprechen, miteinander still sein oder ein Spaziergang in der Natur – zu finden sind Handlungen, Worte oder Gegenstände, die zur jeweiligen Person passen und ihrem Bedürfnis entsprechen. Musik, ohnehin ein Schlüsselelement im Umgang mit Demenzerkrankten, spielt auch hier eine wichtige Rolle.

Musik, Licht, Freude
Die Alzheimervereinigung Graubünden begeht den Welt-Alzheimertag jeweils mit einem Gottesdienst für Menschen mit Demenz. Der Andrang beweist, wie wertvoll ein solches Angebot für betroffene Familien ist. Sie halten den Gang in die Kirche häufig nicht mehr für möglich. Spezielle Gottesdienst für Demenzbetroffene werden auch andernorts mit Erfolg durchgeführt. Sie sind in der Regel eher kurz und bieten ein auf die Sinne ausgerichtetes Erlebnis.

Sind die Rituale aus lang gelebter Gewohnheit von Bedeutung oder weil sie ein tief im Innern liegendes Gefühl ansprechen? Ist der Effekt nur im Moment spürbar oder wirkt er sich nachhaltig aus? Diese Fragen sind letztlich zweitrangig. Was zählt ist die Wirkung: das gesteigerte Wohlbefinden und eine grössere Ruhe des Geistes. Die religiöse und spirituelle Ebene in der Begleitung von Menschen mit Demenz verdient auf alle Fälle Beachtung.

Susanne Bandi (sbe.)

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